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Krankfeiern als „Anreizproblem“? Das Gaslighting des Friedrich Merz

Bundeskanzler Friedrich Merz hat wieder zugeschlagen. Sein neuestes Ziel sind bekanntlich wir "faulen" Arbeitnehmer:innen - in seinem neuesten Angriff speziell KRANKE Arbeitnehmer:innen.

Mit der Forderung, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und der rhetorischen Frage, ob 14,5 Krankentage „wirklich notwendig“ seien, betreibt er eine gefährliche Täter-Opfer-Umkehr.

Die Methoden des Kanzlers: Ein Best-of der Eristik

Merz greift erneut tief in die Trickkiste der eristischen Dialektik, um von strukturellem Versagen abzulenken:

Der Generalverdacht (Kunstgriff Nr. 7): Durch Suggestivfragen framt er Krankheit als moralisches Versagen oder Faulheit. Er behauptet nicht direkt, dass alle simulieren, aber er sät den Zweifel.

Scheinkausalität: Er ignoriert die Fakten der AOK, wonach die telefonische Krankschreibung kaum Einfluss auf die Zahlen hat, und setzt stattdessen auf das Narrativ der „falschen Anreize“. Das ist postfaktische Politik im Gewand des „seriösen“ BlackRock-Lobbyisten.

Abwertung der Lebensleistung: Wer Menschen, die das System am Laufen halten, als „unproduktiv“ hinstellt, entlarvt sein marktradikales Menschenbild: Der Mensch ist nur so viel wert wie seine tägliche Verwertbarkeit.

Was bezweckt Merz damit?

Es geht nicht um Gesundheitsschutz oder echte Wirtschaftsleistung. Es geht um:

Ablenkung: Solange wir über „faule Kranke“ streiten, reden wir nicht über das dysfunktionale Geldsystem, das Reiche durch Zinseszins reicher macht, während die Realwirtschaft unter Investitionsstau leidet.

Disziplinierung: Angst ist ein schlechter Ratgeber, aber ein guter Motivator für neoliberale Politik. Wer Angst um seinen Job oder Ruf hat, arbeitet auch krank – bis zum Burnout.

Spaltung: Er hetzt die „Leistungsträger“ gegen die „Schwachen“ auf, um eine solidarische Antwort auf die systemischen Krisen zu verhindern.

Während also Reiche und Unternehmen seit Jahren mit immer mehr Steuergeschenken und Privilegien bedacht werden, gleichzeitig Steuern in Milliardenhöhe hinterziehen, das Klima versaue, Investitionen in eine zukunftsfähige Wirtschaft verpennen und an völlig veralteten Technologien festhalten, sollen wir Arbeitnehmer:innen jetzt an der wirtschaftlichen Situation in Deutschland schuld sein und den Karren dadurch aus dem Dreck ziehen, dass wir nicht nur mehr arbeiten, sondern uns auch noch krank zur Arbeit schleppen?

Ich sage: Es reicht, Herr Merz!

Dass Deutschland den Anschluss auf dem Weltmarkt verloren hat, liegt an Fehlern in der Politik und in den Vorstandsetagen und an der Gier der sogenannten "Leistungsträger", aber sicher nichts an den Arbeitnehmer:innen, die sich jeden Tag den Arsch aufreißen!

 

Wir müssen aufhören, über die Symptome eines kranken Systems zu streiten, während der Kanzler die Diagnose fälscht.

 

Quelle:

https://www.spiegel.de/politik/deutschland/friedrich-merz-kritisiert-hohen-krankenstand-in-deutschland-wirklich-notwendig-a-697ed4ed-f4fd-4962-a30c-310c687385c0?sara_ref=re-xx-cp-sh

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