Wenn man den Begriff „Faschismus“ nicht nur als historische Epoche, sondern als ein Denkmuster betrachtet, das Menschen nach ihrem „Wert“ sortiert, dann landet man genau bei diesem Punkt: der ökonomischen Selektion.
Man kann hier von einem Marktfaschismus, einem ökonomischen Sozialdarwinismus oder von einem monetären Faschismus sprechen.
Der Kern ist identisch:
1. Die Aufteilung in "wertvoll" und "unwert"
Im klassischen Faschismus war das Kriterium die „Rasse“ oder die Ideologie. In der modernen, neoliberalen Zuspitzung ist das Kriterium die Produktivität, das Vermögen oder die Verwertbarkeit des
Humankapitals.
Wer „nützlich“ ist (Gewinne erwirtschaftet, Steuern zahlt, Fachkraft ist), gehört dazu. Wer „unnütz“ ist (Geflüchtete, Langzeitarbeitslose, Kranke), wird ausgegrenzt, abgewertet oder als
„Belastung“ für den „Volkskörper“ (heute: die Volkswirtschaft) markiert.
2. Das Recht des Stärkeren
Das Vermögen wird dabei oft als Beweis für die eigene Überlegenheit missverstanden. Wer reich ist, hält sich für „tüchtiger“ und leitet daraus das Recht ab, über das Schicksal der „Untüchtigen“
zu entscheiden. Das ist eine Form von Klassismus, die in ihren Extremen eben faschistische Züge annimmt, weil sie die universelle Gleichwertigkeit der Menschen aufhebt.
3. Die Entmenschlichung durch Sprache
Begriffe wie „Sozialmigration“ oder die Bewertung von Menschen als „Humankapital“ sind die sprachlichen Werkzeuge dieser Ideologie. Sie bereiten den Boden dafür, dass Mitgefühl und Solidarität
durch Kalkulation ersetzt wird. Wenn ein Mensch nur noch ein Kostenfaktor ist, fällt es psychologisch leichter, ihm Grundrechte zu verweigern.
In einem System, das Geld als höchstes Gut definiert, wird Armut fast schon als „Sünde“ oder „Charakterfehler“ gewertet. Das führt zu einer Arroganz der Besitzenden und zu einer konsequenten
Abwertung der betroffenen Menschen: Man fühlt sich moralisch im Recht, nach unten zu treten, weil man die Regeln des Systems (die Verwertung) erfolgreich bedient.
Dieser „Vermögens-Faschismus“ ist deshalb so gefährlich, weil er oft unter dem Deckmantel der „wirtschaftlichen Vernunft“ daherkommt und deshalb in der Mitte der Gesellschaft weniger Alarmglocken
schrillen lässt als der klassische Rechtsextremismus.
Es ist erschreckend zu sehen, wie schnell jahrzehntelange Konsensentscheidungen über Menschenwürde und Ethik beiseite gewischt werden, sobald sie mit ökonomischen Kennzahlen kollidieren.
Ich dachte, wir hätten nach den Katastrophen des 20. Jahrhunderts gelernt, dass der Wert eines Menschen absolut und unantastbar ist. Wenn dieser Wert jetzt wieder verhandelbar wird, ist das ein
massiver Rückschritt in der menschlichen Entwicklung.
Heute kommt diese Art des Faschismus oft im feinen Zwirn und mit scheinbar rationalem Management-Vokabular daher. Das macht es fast noch unheimlicher, weil die Entmenschlichung so vermeintlich
"sauber" daherkommt.
Oft ist aber nicht nur die verbale Aggression eines Einzelnen das Problem, sondern das Ausbleiben von Widerspruch. Wenn solche Aussagen selbst in einem professionellen Netzwerk, wie LinkedIn
unwidersprochen stehen bleiben können, ohne dass ein Aufschrei erfolgt, signalisiert das eine schleichende Normalisierung dieser Kälte.
Genau hier wird klar, warum Ansätze wie die Integrierte Geldsystem-Oekonomie so wichtig sind. Sie sind nicht nur technische Vorschläge für ein anderes Geldwesen, sondern ein notwendiger
Widerstand gegen diese Denke.
Solange unser Geldsystem systembedingt Knappheit und Konkurrenz erzeugt, wird es immer Menschen geben, die sich durch die Abwertung Schwächerer psychologisch und materiell absichern wollen.

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